Auch in diesem Jahr spielte die Shortlist Battle beim FAROS Investoren Summit wieder eine zentrale Rolle: Drei Manager stellten sich dem Urteil der Zuschauer, diesmal zur Assetklasse Aktien Europa.
Das FAROS Shortlist Battle ist traditionell eines der Highlights des FAROS Investoren Summit. Bei diesem Format schlüpfen die Zuschauer in die Rolle des Fondsselektors und wählen per Publikums-Voting ihren Favoriten unter drei Top-Managern. Diesmal war das Thema Aktien Europa. Die drei Finalisten gehören zu den Top 20 aus dem Universum von mehr als 256 Managern für europäische Aktien, welche das FAROS-Team vorab auf Basis eines quantitativen Gesamtscore ermittelt hatte. Shivam Sedani, Portfoliomanager im European Equities Team bei Janus Henderson, präsentierte den Janus Henderson Horizon Euroland Fund. Für Lazard Asset Management stellte Managing Director und Portfoliomanager Paul Moghtader den Lazard European Equity Advantage vor. James Wilson, Senior Strategist & Investment Product Specialist bei MFS, pitchte den MFS Blended Research European Equity. Die Fonds-Kennzahlen analysierte Steffen Blume, Investment Analyst bei FAROS Pension & Asset Advisory, die Moderation übernahm Thorsten Wellein, Chief Investment Officer bei FAROS Pension & Asset Advisor.
Drei Manager, drei Runden
Der Wettbewerb geht über drei Runden: Zuerst stellt jeder Manager in einem Acht-Minuten-Pitch den eigenen Ansatz vor. Dann bewertet das Publikum den ersten Eindruck. In Runde zwei steigen die FAROS-Experten anhand der Kennziffern in die Details der Strategien ein. Den Zuschauern gibt das einen Eindruck darüber, wie sich die Strategien in unterschiedlichem Marktumfeld verhalten. Die Analyse ist zugleich die Basis für die dritte Runde – das Kreuzverhör der Manager durch die FAROS-Analysten und das Publikum. Am Ende der drei Runden küren die Zuschauer ihren Publikumsfavoriten.
Das Shortlist Battle gibt einen realitätsnahen Einblick in die Managerselektion. Die Managersuche für einen realen Kunden wäre natürlich umfassender: Dann würde die quantitative Bewertung stärker auf die individuellen Kundenbedürfnisse und -präferenzen zugeschnitten und um eine qualitative Analyse erweitert.
© FAROS Pension & Asset Advisory / Mert Rüttermann
© FAROS Pension & Asset Advisory / Mert Rüttermann
Stellte den Janus Henderson Horizon Euroland Fund vor: Portfoliomanager Shiv Sedani.Janus Henderson: Qualitätsorientierter Value-Ansatz
Mit einem qualitativen Value-Ansatz investiert der Janus Henderson Horizon Euroland Fund in europäische Aktien. Fondsmanager Nick Sheridan managt den Fonds mit seinem Team bereits seit 2011. Und das mit großem Erfolg: Die Performance liegt über ein, drei und fünf Jahre im obersten Quartil der Peergroup. Das Anlageuniversum bilden Large- und Mid-Caps nahezu aller Sektoren, die Benchmark bildet der MSCI EMU Index. „Wir suchen hochwertige Firmen mit langfristig steigenden Erträgen und einer vernünftigen Bewertung“, erklärt Janus-Henderson-Experte Shivam Sedani. Ganz oben auf der Wunschliste der Fondsmanager stehen Firmen, die durch eine besonders ertragsstarke Wiederanlage der Cashflows ihr Wachstumspotenzial langfristig steigern. Die Topfirmen findet das Team über einen zweistufigen Prozess. Im ersten Schritt bewertet das eigens entwickelte Screening-Modell Aktien methodisch nach einheitlichen Kriterien. Dazu ermittelt das Modell auf Basis historischer Bilanzen, Gewinne und Dividenden einer Firma den impliziten Shareholder Value. Aus den so vorgefilterten Firmen wird dann im zweiten Schritt in einer fundamentalen Bottom-up-Analyse das Portfolio mit rund 50 Firmen zusammengestellt. Mit einem durchschnittlichen KGV von 13,9 ist das Portfolio deutlich günstiger bewertet als der Referenzindex mit 15,1. Der Return on Equity (RoE) liegt dagegen mit 21,7 Prozent weit über dem MSCI EMU mit 18,3 Prozent.
© FAROS Pension & Asset Advisory / Mert Rüttermann
© FAROS Pension & Asset Advisory / Mert Rüttermann
Pitchte den Lazard European Equity Advantage: Paul Moghtader, Managing Director und Leiter des Equity Advantage-Teams bei Lazard.Lazard: Quantitative Einzeltitelauswahl
Der Lazard European Equity Advantage setzt bei der Suche nach den aussichtsreichsten Werten auf einen quantitativen Ansatz, so Portfoliomanager Paul Moghtader. Die Strategie zielt auf eine diversifizierte Auswahl von Aktien und einen disziplinierten Risiko-Kontroll-Prozess mit ausgeglichener Branchen- und Länderstruktur. Im Vordergrund steht klar die Einzeltitelauswahl. „Der gesamte Ertrag unserer Strategien kommt von der Aktienauswahl“, sagt Moghtader. Denn hier spielt der quantitative und datenbasierte Ansatz seine Stärken am besten aus. Der Prozess generiert mehrere Signale aus den vier Bereichen Value, Growth, Quality und Sentiment und weist den mehr als 1000 Aktien im Universum eine Reihenfolge zu. Aus den attraktivsten Aktien baut das Managementteam das Portfolio. Dieses weist günstigere Bewertungen auf als die Benchmark MSCI Europe und soll bessere Qualitäts- und Growth-Eigenschaften besitzen. Dazu Moghtader: „In einem Growth-Markt sind die reinen Growth-Manager vielleicht besser, in einem reinen Value-Markt vielleicht der reine Value-Manager.“ Der Fonds soll dafür eine konsistente Performance über unterschiedliche Phasen hinweg erzielen. Die Einzeltitelauswahl sei heute so wichtig wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr, meint Moghtader. Die Zentralbanken agierten lange als Risikomanager für Aktieninvestoren. Diese Zeiten seien vorbei: „Nun konzentrieren sich die Zentralbanken wieder stärker auf ihr primäres Ziel der Preisstabilität. Das ändert die Spielregeln für Aktieninvestoren.“
© FAROS Pension & Asset Advisory / Mert Rüttermann
© FAROS Pension & Asset Advisory / Mert Rüttermann
Erklärte den MFS Blended Research European Equity: Produktspezialist James Wilson.MFS: Quantitativ und fundamental kombiniert
Der MFS Blended Research European Equity kombiniert einen quantitativen und einen qualitativen Ansatz. „Quantitative und qualitative Ansätze funktionieren, aber keiner von ihnen funktioniert zu jedem Zeitpunkt und in jedem Umfeld“, sagt MFS-Experte James Wilson. Die meisten fundamentalen Manager neigen laut Wilson dazu, den Qualitätsfaktor höher zu gewichten und sind damit eher in der zweiten Hälfte des Zyklus erfolgreich, in dem die Wirtschaft schwächer wird. Quant-Manager neigen dagegen stärker zu Faktoren wie Momentum, die in der ersten Hälfte des Zyklus am besten laufen. „Wir wollen diese Faktor-Tilts neutralisieren“, so der MFS-Stratege. Statt einer quantitativen Vorselektion bekommt bei MFS jede Aktie grundsätzlich zwei Scores, einen fundamentalen und einen quantitativen. Beide werden dann zu einem Gesamtscore zusammengeführt. Auch hier ist der Fokus klar auf Einzeltitelauswahl: „90 Prozent unserer Erträge stammen aus der Titelauswahl“, so Wilson. Mit seinem Kurz-Pitch überzeugte Wilson das Publikum und entschied die erste Runde für den kombinierten Ansatz von MFS.
Runde zwei: Zahlen und Fakten im Check
Die Analyse der Portfolios und der Performance-Kennzahlen erlaubt einen tieferen Einblick in die Strategien und ihr Verhalten in verschiedenen Marktumfeldern. Dabei zeigt sich laut FAROS-Analyst Blume, dass alle drei Strategien ihre Benchmark über einen Zeitraum von sieben Jahren klar schlagen. Der Sieben-Jahres-Zeitraum eignet sich laut Blume besonders gut zur Betrachtung, da er unterschiedlichste Marktphasen und Schocks umfasst.
Die Anzahl an Positionen variiert von rund 50 Positionen bei Janus Henderson bis zu Lazard mit mehr als 120 Titeln, MFS liegt mit rund 80 Positionen in der Mitte. Die Janus-Henderson-Strategie weist mit 64 Prozent auch den höchsten Active Share aus. Janus Henderson investiert im Vergleich zur Benchmark eher in kleinere Titel bei einem relativ geringen Turnover. Bei Lazard und MFS ist die Marktkapitalisierung der Portfoliotitel näher an der Benchmark, auffallend ist der außerordentlich hohe Turnover von mehr als 100 Prozent bei Lazard. Die Sektor- und Länderabweichungen sind bei Lazard und MFS gering, was aufgrund der Präsentationen der beiden Manager in Runde eins nicht überrascht. Anders bei Janus Henderson: Hier ist Deutschland mit acht Prozent deutlich untergewichtet gegenüber der Benchmark, übergewichtet sind dagegen die Niederlande und Italien.
© FAROS Pension & Asset Advisory / Mert Rüttermann
© FAROS Pension & Asset Advisory / Mert Rüttermann
Erklärte den quantitativen Produktvergleich im Rahmen der FAROS-Analyse: Investment Analyst Steffen Blume.Dem Alpha auf den Grund gegangen
Das kumulierte Alpha über sieben Jahre ist bei allen drei Strategien positiv. Das rollierende Alpha über zwölf Monate soll dagegen zeigen, wie stetig die Outperformance generiert wird. Das ist wichtig, um zu vermeiden, dass eine Strategie aufgrund eines einmaligen Performance-Sprungs auf dem Papier besser wirkt als sie in Wirklichkeit ist. Und auch hier sind alle drei Kandidaten stark. Bei Lazard hat sich der rollierende Alpha-Wert seit 2021 stetig verbessert, bei MFS sind die Schwankungen etwas stärker, am ausgeprägtesten sind die Schwankungen bei Janus Henderson. Für Blume ist das charakteristisch für einen fundamentalen Manager mit 50 Titeln im Portfolio.
Wichtige Informationen liefert auch die Unterscheidung der Alpha-Generierung in Auf- und Abwärtsmärkten. MFS ist in sinkenden Märkten tendenziell stärker, Lazard wiederum lieferte vor allem in den Aufwärtsmärkten der letzten Jahre starkes Alpha. Bei Janus Henderson schwankt das Alpha stärker, wird aber tendenziell in Auf- und auch Abwärtsmärkten erzielt. Die Capture Ratio funktioniert ähnlich: Sie misst die Performance im Vergleich zur Benchmark getrennt für positive und negative Märkte. Bei der Upside-Capture-Ratio sind Werte über 100 Prozent positiv, die Downside-Capture-Ratio sollte dagegen unter 100 Prozent liegen. Auch hier haben Strategien ein starkes Profil. Lazard erreicht die höchste Upside-Capture-Ratio, Janus Henderson hat dafür die geringste Downside-Capture-Ratio.
Betrachtung nach Zeitabschnitten
Eine aussagekräftige Grafik ist die Abbildung der rollierenden Drei-Jahres-Renditen im Vergleich zum Index. Liegen die Punkte oberhalb der Diagonalen, war der Fonds im Betrachtungszeitraum besser als die Benchmark. Auch hier wird der Sieben-Jahres-Zeitraum betrachtet. Es zeigt sich: Tatsächlich liegen bei allen drei Fonds die Punkte ganz überwiegend oberhalb der Diagonalen – was für die Stärke der Manager spricht. Bei Lazard, die besonders in starken Märkten gut abschneiden, liegen die Punkte gerade bei höheren Indexzuwächsen deutlich oberhalb der Indexrenditen. Ähnlich ist das Muster bei Janus Henderson. Bei MFS liegen alle Punkte knapp oberhalb der Diagonalen, was für stetige, wenn auch im Schnitt weniger ausgeprägte Mehrerträge spricht. Beim Beta fällt besonders MFS mit einem konstanten Beta von annähernd eins auf. Nur geringfügig stärker schwankt das Beta bei Lazard. Ausgeprägter sind die Abweichungen bei Janus Henderson zwischen 0,7 und 1,2.
© FAROS Pension & Asset Advisory / Mert Rüttermann
© FAROS Pension & Asset Advisory / Mert Rüttermann
Beauty Contest Live: Bei der Q+A-Runde fühlte FAROS-CIO Thorsten Wellein den drei Managern und Produkten nochmals gezielt auf den Zahn.Runde drei: Asset Manager im Kreuzverhör
In der dritten Runde stellt FAROS-CIO Thorsten Wellein die Portfoliomanager nochmals im Q&A auf den Prüfstand. Von Janus Henderson interessiert ihn, was Managererfahrung in Zeiten von KI noch zählt. Für Sedani steht die Konsistenz der Erträge und des Prozesses klar an erster Stelle. KI könne dabei unterstützen, am Ende dürften aber dieselben Aktien im Portfolio sein. Ähnlich bei Lazard: „Unser Prozess ist immer stabil, aber die Werkzeuge werden angepasst“, sagt Lazard-Manager Moghtader. Er sieht die Veränderung des eigenen Ansatzes eher als Evolution statt Revolution, auch in Zeiten von KI. „Wir versuchen immer, den Prozess, den wir haben, zu verbessern, anstatt den ganzen Prozess neu zu erfinden. Hinter jedem Signal steht eine fundamentale Erkenntnis, und die ist sehr stabil.“
Überzeugungen ausdrücken
Bei MFS hakt Wellein nach, wie mit Aktien umgegangen wird, bei denen Quant-Modell und Portfoliomanager zu identischen oder ganz unterschiedlichen Urteilen kommen. Der erste Fall ist klar: Die Aktien, die eine doppelte Kaufempfehlung bekommen, erhalten das größte Gewicht im Portfolio, erklärt Wilson. Die Top-20-Aktien des Portfolios hätten alle eine Übergewichtung von ein bis zwei Prozent. Der fundamentale Analyst behält aber ein grundsätzliches Veto: Wenn er eine Aktie ablehnt, kommt sie nicht ins Portfolio. In anderen Fällen unterschiedlicher Einschätzungen kann eine Aktie zwar ins Portfolio kommen, allerdings mit geringerem Gewicht.
Bei Lazard ist die besondere Stärke in der starken Marktphase der letzten Jahre laut Moghtader darauf zurückzuführen, dass diese Zeit von einem starken Growth-Trend geprägt war, die das System sehr gut nutzen konnte. Zum hohen Turnover von mehr als 100 Prozent möchte Wellein wissen, wie man die Transaktionskosten im Griff behält. Vor allem über klare Liquiditätslimits, die das Universum auf derzeit rund 1.000 Aktien beschränkten, so Moghtader. Janus Henderson investiert dagegen auch kräftig Mid-Caps. So könne man Überzeugung für bestimmte Firmen klar ausdrücken, so Sedani. Und besonders attraktive Firmen finde man immer wieder bei Mid- und teils Small Caps.
Das Shortlist Battle endete wie immer mit der Wahl des Publikumsfavoriten. Und da konnten die Verfolger zwar in den Runden zwei und drei deutlich aufholen, aber am Ende rettete MFS seinen Vorsprung doch ins Ziel.